„Was für ein Stein?“, höre ich dich gleich fragen. Wer in der Stadt Salzburg nach Süden blickt, sieht ihn unweigerlich. Aber ist der kleine Hügel es überhaupt wert, erklommen zu werden? Dieser Frage werde ich heute auf den Grund gehen.
Das sind die Highlights am Mühlstein (im Herbst):
⭐ wunderschöner Herbstwald
⭐ spektakuläre Ostwand am Mühlstein
⭐ zahlreiche Aussichtspunkte
⭐ abenteuerliche Wege
Ein wunderschöner Tag Anfang November. Der Herbst zeigt sich von seiner allerschönsten Seite. Reichlich spät dieses Jahr kleidet sich der Wald in den buntesten Farben. Aber besser spät als nie.
Heute entführe ich dich auf den Mühlstein, einen westlichen Ausläufer der Osterhorngruppe. Zwischen Hallein und Salzburg gelegen, erhebt er sich am rechten Salzachufer. Markant ist allerdings etwas anderes, denn die lediglich 1.059 Meter hohe bewaldete Kuppe macht alles andere als einen spektakulären Eindruck. Dies allerdings nur, solange man die Ostwand nicht erblickt hat, welche vom Salzachtal aus verborgen bleibt. Dazu aber später mehr.

Mein Ausgangspunkt ist der Parkplatz auf der Erentrudisalm. Vom Tal aus gäbe es zwar ein paar schöne Wanderwege, doch so viel Zeit habe ich heute einfach nicht mehr. Denn es ist fast schon 14 Uhr, als ich die steile, schmale und sehr kurvige Straße hinauf fahre. Bleiben also nur noch etwa drei Stunden Tageslicht.
Ziellos umherschlendern auf dem Mühlstein
Vom Parkplatz wandere ich zunächst ein Stück die Straße bergab, biege dann aber gleich nach links in Richtung Schwarzenbergalm. Bald tauche ich erstmals für ein kurzes Stück in den bunten Wald ein, auch wenn ich mich immer noch auf Asphalt bewege. Bei der Schwarzenbergalm zweigt der Wanderweg auf eine Forststraße ab und führt auf eine Lichtung. Die Aussicht ist von dieser aber noch nicht berauschend. Dennoch lässt sich erkennen, dass die höheren Gipfel mittlerweile schneebedeckt sind.



Weiter geht es auf der Forststraße in Richtung Hubertuskapelle. Nach einigen Minuten sollte man eine beschilderte Abzweigung auf einen Waldweg allerdings nicht verpassen, denn die Forststraße führt laut Karte nirgendwo hin. Der Waldweg hingegen führt leicht bergauf zu einer weiteren Forststraße. Nach rechts könnte ich dieser nun zur Hubertuskapelle folgen, oder nach links zur Erentrudisalm zurück wandern. Einen richtigen Plan habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, denn meine Mission für diesen Tag lautete nur, den Herbstwald zu fotografieren. Allerdings zieht es mich eher nach oben, als hinunter zur Hubertuskapelle.


In meiner digitalen Kompass-Wanderkarte ist noch ein dichtes Netz aus Wanderwegen auf dem plateauartigen Mühlstein eingezeichnet. Nun, Wege und Pfade gibt es wirklich einige, auch weil das Gelände ideal für Forstwirtschaft geeignet ist. Doch ausgeschildert und markiert ist so gut wie nichts davon. Das ist etwas, das mir schon lange in diesem Gebiet südöstlich der Stadt Salzburg auffällt: Viele Wanderwege, die auf den Karten noch als solche verzeichnet sind, sind mittlerweile aufgelassen und verschwunden.

So folge ich dem – wie sich herausstellen sollte – einzigen noch verbliebenen offiziellen Wanderweg auf der Forststraße Richtung Erentrudisalm. Der Wald ist sehr licht und bietet immer wieder Ausblicke. Und so wäre ich spätestens 15 Minuten später schon wieder am Ausgangspunkt gestanden. Doch heute – so habe ich inzwischen beschlossen – möchte ich mich auf die Suche nach dem Mühlsteingipfel machen. Dieser ist irgendwo auf diesem Plateau im Wald versteckt. Vor vielen Jahren war ich schon einmal hier oben unterwegs, den Gipfel habe ich damals aber nicht gefunden. Seitdem hat sich technologisch ja einiges getan und so ist das GPS meines heutigen Handys doch wesentlich exakter, als jenes meines ersten Smartphones damals. Wenn es heute nicht gelingt, wann dann?



Herbstwald erleben am Mühlstein
An einer Forstwegekreuzung verlasse ich den offiziellen Wanderweg. Bald endet aber der eingeschlagene Forstweg und ich finde mich auf einem Trampelpfad wieder. Dieser Weg ist viel mehr nach meinem Geschmack. Die Bäume stehen nun viel dichter. Es bieten sich somit zwar weniger Ausblicke, aber dafür viel mehr Einblicke in den herbstlichen Wald.





Ich sage es ganz ehrlich: Ohne GPS wäre ich hier oben auf verlorenem Posten. Und langsam ist auch Orientierungssinn gefragt, denn die in der Karte verzeichneten Wege sind teilweise nur mehr zu erahnen und verlaufen auch nicht immer exakt so, wie dargestellt. Außerdem gibt es immer wieder Pfade, die gar nicht verzeichnet sind. Das Ganze entwickelt sich langsam aber sicher zu einem kleinen Abenteuer.




Mein Trampelpfad mündet schließlich in einen dieser auf der Karte eingezeichneten Wanderwege. Am Charakter des Weges ändert das zunächst allerdings nichts. Schließlich lässt sich doch ein Karrenweg erkennen, der wohl einst mit schweren Forstgerätschaften befahren wurde. Dafür sprechen die zahlreichen Schlammpfützen am bislang trockenen Weg, ein Zeichen starker Bodenverdichtung.



Die Suche nach dem Gipfel
Um es kurz zu machen: Laut Karte soll ein solcher Karrenweg zur Ostseite des Plateaus führen, wo dieses über eine Felswand annähernd senkrecht abfällt. Und von dieser Felswand – einst führte sogar ein Klettersteig durch die Ostwand – ist ein weiterer Trampelpfad zum Gipfel in der Karte vermerkt. Das klingt doch nach einem Plan!
Ganz so einfach sollte es aber doch nicht sein, denn wieder existieren in der Realität mehr Wege, als auf der Karte. Manchmal hilft nur noch try and error. Also einfach den vermeintlich richtigen Weg nehmen und am GPS prüfen, ob er mich in die gewünschte Richtung führt. Auch lässt der Zustand des Weges immer mehr zu wünschen übrig und so kommt es, wie es kommen muss und ich stehe knöcheltief in der Schlammpfütze. Leider war ich so sehr mit der Wegfindung beschäftigt, dass ich ganz vergessen habe Fotos zu machen von diesem Abschnitt der Tour.
Die Ostwand des Mühlsteins
Irgendwann erreiche ich aber doch den Felsabbruch am Ostrand des Plateaus. Und dieser kann sich absolut sehen lassen. Nicht nur das herrliche Panorama, sondern auch der Blick auf die spektakuläre Ostwand des Mühlsteins, kann überzeugen. Auch den Trampelpfad finde ich, er führt entlang der Abbruchkante nach oben in Richtung Gipfel.





Bald ist der Pfad aber nur mehr zu erahnen und als ich oben über der Felswand stehe – wo ich mich fälschlicherweise schon am Gipfel wähne – verliert er sich komplett. Ein Blick auf das GPS lässt mich meinen Irrtum erkennen: Es ist nur eine kleine Kuppe, der Gipfel noch ein Stück weiter.
Ohne wirklich einen Weg zu erkennen, wandere ich weiter. Falls wirklich jemand auf die verrückte Idee kommen sollte, diese Tour nachzuwandern, so sei dir bewusst: Hier braucht es nun wirklich einen guten Orientierungssinn und etwas Erfahrung im Bergwandern. Und eine möglichst genaue Karte und GPS natürlich. Die Gefahr, sich im abschüssigen Gelände versehentlich in die Felswand zu versteigen, sollte keinesfalls unterschätzt werden! Wahrscheinlich ist der Weg im Sommer aber leichter zu finden, wenn sich der Pfad vom Grün des Waldbodens besser abhebt als jetzt im Herbst, wo alles mit Laub bedeckt ist.

Gefunden! Der Gipfel des Mühlsteins
Nach einigen Minuten auf und ab, taucht plötzlich eine kleine, vielleicht fünf Meter hohe Kuppe vor mir im Wald auf. Das muss er jetzt sein, der Gipfel! Und tatsächlich: Oben am Hügel angekommen, empfängt mich sogar ein Gipfelkreuz samt Sitzgelegenheiten. Auch ein paar Sonnenstrahlen finden – nachdem ich zuvor schon einige Zeit im Schatten gewandert war – ihren Weg wieder zwischen den Bäumen hindurch.




Zurück zur Erentrudisalm
Auf der anderen Seite führt mich ein sich nunmehr deutlich abzeichnender Trampelpfad hinunter in Richtung Sonne. Bald treffe ich auf eine kleine Kahlfläche in der vertrocknete Riedgräser in der tiefstehenden Sonne leuchten. Die goldene Stunde taucht alles in ihr warmes Licht.





Dann dauert es nicht mehr lange und ich stoße – einem weiteren nicht in der Karte verzeichneten Karrenweg nach links folgend – wieder auf die markierte Forststraße, die ich vor langer Zeit verlassen habe. Die Sonne ist bereits hinter dem Untersberg im Westen verschwunden, als ich eine Wiese mit toller Aussicht oberhalb des Parkplatzes erreiche.



Kurz darauf stehe ich wieder am Parkplatz der Erentrudisalm, von welchem sich noch ein kurzer Blick auf die bereits im Schatten liegende Stadt Salzburg bietet.

Fazit meiner Wanderung auf dem Mühlstein:
Wer dem Mühlstein eine Chance gibt, wird mit einem kleinen Abenteuer, schönen Ausblicken und natürlich mit viel Wald belohnt.
Anreise:
mit dem Auto:
Von Elsbethen-Glasenbach südlich der Stadt Salzburg auf der L105 (Halleiner Landesstraße) in Richtung Hallein fahren, bald nach links abbiegen (Beschilderung nach Höhenwald, zur Glasenbachklamm, sowie Erentrudisalm). Ab hier ist die Erentrudisalm gut ausgeschildert.
Adresse für Navi: Erentrudisalm, Gfalls 9, 5061 Elsbethen
Plus Code: Q438+65 Elsbethen
Koordinaten: 47.7527, 13.1159
Parken:
Parkmöglichkeiten finden sich direkt bei der Erentrudisalm.
mit Öffis:
Der Ausgangspunkt ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar. Es führen jedoch mehrere Wanderwege vom Salzachtal auf die Erentrudisalm:
- von Glasenbach über Gfalls: ca. 1:30 bis 2 Std.
- von Glasenbach durch die Glasenbachklamm (derzeit gesperrt!) und Höhenwald: ca. 2:30 Std
- von Elsbethen/Zieglau über Trockene Klamm: ca. 2 Std.
- von Puch bei Hallein über Vollererhof: ca. 3 Std.

Daten für die oben beschriebene Tour:
Weglänge: ca. 5 km
reine Gehzeit: ca. 1:30 Stunden
Höhenunterschied: ca. 200 m
Wegbeschaffenheit: Wanderung meist auf Forst- und Waldwegen, sowie in weglosem Gelände
Schwierigkeit nach SAC Wanderskala: T2 – Bergwandern, allerdings braucht es aufgrund teilweise fehlender Trittspur ein gutes Orientierungsvermögen, sowie Fähigkeiten im Kartenlesen
Trittsicherheit: stellenweise etwas Trittsicherheit erforderlich, v.a. im Bereich oberhalb der Ostwand
ausgesetzte Stellen: nur an der Ostwand – aber man muss ja nicht so nahe rangehen…
Familientauglichkeit: für Kinder durchaus als Abenteuer-Wanderung geeignet. Dabei sollte man sich natürlich nicht selbst verlaufen!
Barrierefreiheit: nein
Empfohlene Ausrüstung: Trekkingschuhe, möglichst genaue Wanderkarte, GPS
Einkehrmöglichkeiten:
Die Erentrudisalm hat Mittwoch bis Sonntag ab 11 Uhr geöffnet.
Letzte Eindrücke vom Mühlstein:



Bitte beachte:
Alle Angaben und Beschreibungen in diesem Artikel spiegeln meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen wider und erfolgen daher ohne Gewähr auf Richtigkeit bzw. Aktualität. Gelände und Natur sind ständigen Veränderungen unterworfen. Wege könnten aus diesem Grund nicht mehr passierbar, gesperrt oder anderweitig verändert sein. Auch das Wetter kann großen Einfluss auf den Charakter eines Weges haben. Eine sorgfältige Tourenplanung ist für das Wandern in der Natur – speziell im Gebirge – deshalb unerlässlich.
Im nächsten Beitrag geht es zurück in den Sommer. Eine schöne kleine Bergtour mit tollem Ausblick auf den Fuschlsee stand auf dem Programm.
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