Ebenauer Kirchenberg im Schnee – Winterwandern im Salzburger Land

Noch nie vom Ebenauer Kirchenberg gehört? Der kleine Felsrücken erhebt sich direkt neben dem Ort und bietet überraschend viele Naturerfahrungen, die sich im Rahmen einer Überschreitung erleben lassen. Als Bonus gibt es noch eine Klamm oben drauf und auch im Winter lässt es sich hier wunderbar wandern.


⭐ Die weitestgehend naturbelassenen Wälder

⭐ Der Ausblick vom Kirchbergfelsen

⭐ Die artenreiche Flora und Fauna

⭐ Und als besondere Zugabe: Die Schwarzaubachklamm


Strahlend blauer Himmel, eisige Temperaturen, frisch gefallener Schnee, das sind die Zutaten für eine perfekte Winterwanderung. Noch dazu, wenn die Schneedecke nicht einmal bis zu den Knöcheln reicht und das Vorwärtskommen somit nicht sonderlich erschwert ist.

Das Ziel meiner perfekten Winterwanderung ist das beschauliche Örtchen Ebenau. Am Zusammenfluss dreier Bäche gegründet, war es einst die Waffenschmiede des Fürsterzbistums Salzburg. Heute gibt es hier keine Industrie mehr, dafür umso mehr Natur.

Ein Kleinod von herausragender Schönheit ist der Kirchenberg, ein langgezogener Dolomitrücken, welcher – der Name lässt es schon erahnen – sich gleich hinter der Kirche erhebt. Viel mehr als 100 Höhenmeter muss man dafür nicht erklimmen und dennoch taucht man dort oben in eine vollkommen ungestörte Naturidylle ein. Also nichts wie los!

Der Beginn des Rundweges ist beim Fürstenstöckl in der Messingstraße. Die Fürsterzbischöfe statteten ihrer Waffenschmiede von Zeit zu Zeit natürlich einen Besuch ab. Weil der Weg zurück nach Salzburg mit den damaligen Transportmitteln am selben Tag nicht möglich war, wurde extra ein stattliches Gebäude als Bleibe für sie errichtet. Heute sind darin die Gemeindeverwaltung und ein Museum untergebracht, in welchem man alle Details über die Geschichte des Ortes und seiner Industrie erfahren kann.

Das Fürstenstöckl (ganz links), heute Sitz der Gemeindeverwaltung von Ebenau

Aber jetzt bin ich etwas abgeschweift…
Also, der Startpunkt wäre beim Fürstenstöckl und bis vor kurzem gab es dort auch ausreichend Parkmöglichkeiten. Mittlerweile mussten die Parkplätze allerdings Neubauwohnungen weichen, so dass der Ausgangspunkt nun der Wanderparkplatz in der Florianstraße bei der Waschl-Mühle ist, dort wo auch der sehr beliebte Ebenauer Mühlenweg beginnt.


Winterwandern am Ebenauer Mühlenwanderweg

Unweit der Stadt Salzburg, hinter dem Gaisberg, befindet sich das Örtchen Ebenau. Einst ein Zentrum der Metallverarbeitung, findet man heute an dem abgeschiedenen Ort vor allem Ruhe, Erholung und schöne Wanderwege. Der bekannteste ist der…


Somit muss zuerst das Dorf durchquert werden, was aber in zehn Minuten erledigt ist. Dann geht es die Messingstraße hinunter bis zur Wiestal Landesstraße. Kurz bevor ich diese erreiche, zweigt links entlang eines Zaunes ein leicht zu übersehender Steig ab. Allerdings gibt es Wegweiser. Der Weg führt bergauf über eine kleine Wiese zum Waldrand und diesem entlang. Bereits nach wenigen Minuten erreiche ich wieder einen Wegweiser, der mich nach links in den Hangwald hinauf schickt.

Durch den lichtgefluteten Buchenmischwald geht es auf einem Steig mäßig steil bergauf. Der Schnee glitzert in der Sonne und die Stimmung in diesem Bergwald ist einfach großartig. So viele Fotomotive, dass ich kaum vorankomme. Über eine kurze etwas anspruchsvollere Passage geht es schließlich hinauf in einen kleinen Sattel zwischen dem Kirchenberg zur Linken und dem Anstieg auf den Strumberg (981 m) zur Rechten.

Nun beginnt der Spaziergang über den langen Rücken des Kirchenberges. Im Sommer zeichnet sich der Steig gut vom Boden ab, doch jetzt liegt alles zwar unter einer dünnen, dennoch geschlossenen Schneedecke. Ab hier ist also ein halbwegs guter Orientierungssinn gefragt. Zwar kann man sich einigermaßen nach den Markierungen an den Bäumen orientieren, doch bei all den Eindrücken hier oben am Kirchenberg kann man diese schon mal aus den Augen verlieren.

Finde den richtigen Weg!

Natürlich gibt es auch noch die Fußspuren vorausgegangener Wanderer – viele sind es nicht – denen man folgen kann. Aber ich warne ausdrücklich davor, blind fremden Fußspuren zu folgen! In diesem Fall führen sie aber in die richtige Richtung. Der Kirchenberg ist vor allem ein Wandergebiet für Einheimische und Ortskundige.

Nach einer Weile führt ein schmaler, felsiger Steig ein paar Höhenmeter zu einem Aussichtspunkt samt großem „Gipfelkreuz“ hinunter. Den hat die letzten beiden Tage noch niemand besucht und so setze ich meine Spuren in den frischen Schnee.

Zurück am Hauptweg steigt das Gelände ganz allmählich zum höchsten Punkt des Kirchenberges an. Wirklich steil ist es oben am Kammweg nie, allerdings führt eine kurze Passage unmittelbar oberhalb eines steilen Abhangs entlang. Mit dem Schnee gilt es hier schon konzentriert ans Werk zu gehen.

Was mich am Kirchenberg am meisten fasziniert, ist seine fantastische Natur. Der lichte Wald wird hauptsächlich von Buchen, Fichten und Tannen gebildet, aber auch Rotföhren (Waldkiefern) sind immer wieder zu finden. Die Bodenauflage über dem felsigen Untergrund ist sehr dünn, so dass die Bäume nicht gut wurzeln können. Liegende oder schief stehende Bäume sind daher an der Tagesordnung. Der Waldboden ist stellenweise sehr weich und federnd, ein Zeichen dafür, dass es das Wurzelgeflecht der Bäume ist, das den Untergrund bildet. Immer wieder komme ich an abgestorbenen Bäumen vorbei, ein wahres Paradies für Spechte. Der typische, wie Gelächter anmutende Ruf des Schwarzspechts lässt sich hier oben oft vernehmen.

Auch in der Krautschicht finden sich sehr spannende Pflanzengesellschaften. Die an zahlreichen Stellen üppig wachsende Schneeheide steht bereits in den Startlöchern für die Blüte. Ganz vereinzelt beginnen an sehr sonnigen und geschützten Standorten bereits die kleinen rosafarbenen Blüten sich zu öffnen. Meist sind aber noch die graubraunen Knospen zu sehen. Auch die Schneerosen sind schon im Knospenstadium. Die grünen Triebe der Heidelbeeren strecken sich fast allerorts durch die Schneedecke. Ein weiteres botanisches Highlight am Kirchenberg sind die großflächigen Vorkommen an Bärlappe. Auch sie schauen immer wieder aus dem Schnee hervor.

Am höchsten Punkt bietet sich ein recht guter Blick nach Osten auf den Lidaunberg. Auf diesem war ich erst im Sommer. Dann geht es ebenso gemächlich auf der anderen Seite wieder bergab.

Blick nach Osten auf den Lidaunberg vom höchsten Punkt des Ebenauer Kirchenberges

Nach ein paar Minuten erreiche ich das Aussichtsplateau oberhalb des Kirchbergfelsens. Von diesem hat man einen tollen Blick auf Ebenau, den Gaisberg (1.287 m), die Gurlspitze (1.158 m), sowie den Wieselberg, über den der Ebenauer Mühlenweg verläuft. Diesen habe ich ebenfalls als Winterwanderung vor zwei Jahren schon einmal vorgestellt.

Man könnte jetzt meinen, ich käme nur im Winter nach Ebenau. Stimmt nicht, ich bin auch im Sommer oft hier. Nur mache ich im Winter generell viel weniger Wanderungen als im Sommer und so schafft es eine Winterwanderung leichter auf diesen Blog als eine gleichwertige Sommerwanderung.

Schließlich beginnt der letzte Abstieg zurück nach Ebenau, der es allerdings in sich haben kann. Der Steig ist an dieser Stelle ziemlich steil und schattig, was ihn im Winter manchmal etwas heikel macht. Heute jedoch nicht! Die Schneedecke ist zu dünn, als dass sie größere Probleme bereiten könnte.

Abstieg nach Ebenau: An dieser Stelle kann es manchmal ziemlich rutschig sein.

Wenige Minuten später ist es bereits geschafft und der Weg mündet in eine schmale Straße, der ich nach links zur Kirche folge. Die kleine Straße schlängelt sich schließlich zwischen der Kirche und dem steilen, felsdurchsetzten Hang des Kirchenberges hindurch. Wer auf der Suche nach blühender Erika ist, wird hier zu aller erst fündig werden. Die besonders geschützte Lage am Fuße der südwestlich ausgerichteten Felsen lässt die hier wachsenden Exemplare deutlich früher erblühen, als jene oben am Kirchenberg. An den Felsen finde ich aber etwas noch Aufregenderes als die Schneeheideblüte: Eiszapfen!

Dann geht es auch schon am Friedhof und dem Kindergarten vorbei die Treppe wieder hinunter zum Fürstenstöckl. Am Rückweg zum Parkplatz empfiehlt sich noch ein Abstecher auf die schmale Brücke über die Schwarzaubachklamm. Auf mich wirkt es jedes Mal wieder extrem surreal, dass sich mitten im Ort zwischen den Häusern ein metertiefer Graben auftut, durch den der Schwarzaubach in die Tiefe stürzt. Unten beim Fürstenstöckl angekommen, einfach nach rechts der Messingstraße folgen. Nach dem ersten Haus auf der linken Seite kommt bereits die entsprechende Infotafel und zwischen den Häusern geht es zur Brücke.

Der Wasserfall ist leider nicht vereist, dafür ist es wohl erst zu kurz kalt, aber die vereisten Sträucher am Rande der Schlucht sehen auch ziemlich nett aus.

Zurück zum Parkplatz kann man nun die Brücke queren und danach der Straße (Klammweg) nach rechts folgen, oder umkehren und durch das Dorfzentrum wieder zurück wandern.

Noch ein Hinweis zum Weg selbst:
Der Steig über den Kirchenberg heißt Karl-Götz-Steig (Weg Nr. 63A) und wird offiziell in die Gegenrichtung absolviert. Mir persönlich ist aber die geschilderte Variante sympathischer.

Der Kirchenberg in Ebenau ist einer dieser Orte, die ich immer wieder gerne aufsuche. Idyllische Natur gepaart mit spektakulärer Landschaft, kurzen Wegen und geringen Höhenmetern, macht ihn zu einem tollen Ausflugsziel. Und weil die Wanderung so kurz ist, kann man sich umso mehr Zeit nehmen und eintauchen in die besondere Atmosphäre am Kirchenberg.


Von Hallein (vom Süden) oder von Hof bei Salzburg bzw. Koppl (vom Norden) auf der Wiestal-Landesstraße (L107) fahren und die Ausfahrt Ebenau-Nord nehmen. Von Norden kommend unmittelbar vor der Unterführung durch die Hauptstraße rechts abbiegen, von Süden kommend unter der Hauptstraße durchfahren und dann gleich links abbiegen. Nach wenigen Metern befindet sich der Parkplatz gegenüber der Waschl-Mühle an der Florianstraße.
Adresse für Navi: Florianstraße 5, 5323 Ebenau
Plus Code: Q5VF+84 Ebenau
Koordinaten: 47°47’34.8″N 13°10’22.4″E

Kostenloser Wanderparkplatz am Ausgangspunkt. Ein paar wenige Parkplätze stehen auch direkt beim Fürstenstöckl zur Verfügung, diese sind aber oft belegt.

Ab Salzburg Hbf Regionalbus 150 oder 155 bis Koppl-Sperrbrücke. Hier umsteigen in Regionalbus 154 und bis Ebenau-Süd fahren. Die Bushaltestelle liegt direkt am Wanderweg.
ACHTUNG: An Sonn- und Feiertagen keine Verbindung!

Genaue Fahrzeiten finden sich auf der Webseite des SVV.


Weglänge: ca. 3 km
reine Gehzeit: ca. 1:00 Stunde
Höhenunterschied: ca. 130 m
Wegbeschaffenheit: Wanderung meist auf schneebedeckten Waldwegen, Steigen, sowie auf geräumten Straßen
Schwierigkeit nach SAC Wanderskala: T3 – schwere Bergwanderung ➡ aufgrund der schwierigen Wegfindung und des oftmals rutschigen Untergrundes bei Schnee (ansonsten nur T2)
Trittsicherheit: ist stellenweise erforderlich
ausgesetzte Stellen: ja, eine kurze Querung oberhalb eines Steilhanges
Familientauglichkeit: gut familientauglich
Barrierefreiheit: nein
Empfohlene Ausrüstung: Winterwanderschuhe, evtl. Spikes oder Grödel bei vereisten Wegen

Der Dorfwirt im Zentrum von Ebenau hat täglich außer Dienstag & Mittwoch geöffnet.



Bitte beachte:
Alle Angaben und Beschreibungen in diesem Artikel spiegeln meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen wider und erfolgen daher ohne Gewähr auf Richtigkeit bzw. Aktualität. Gelände und Natur sind ständigen Veränderungen unterworfen. Wege könnten aus diesem Grund nicht mehr passierbar, gesperrt oder anderweitig verändert sein. Auch das Wetter kann großen Einfluss auf den Charakter eines Weges haben. Eine sorgfältige Tourenplanung ist für das Wandern in der Natur – speziell im Gebirge – deshalb unerlässlich.


Ja, ich weiß! Ich habe die Fortsetzung der Kroatien-Serie versprochen. Aber irgendwie komme ich da gerade nicht weiter. Generell bin ich momentan sehr viel auf Instagram und Facebook beschäftigt. Schau doch gerne dort vorbei!

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