Auf dem Mühlenrundweg in Scheffau – Natur erleben im Salzburger Land

Eigentlich sollte dieses Ausflugsziel in „Wasserfallrundweg“ umbenannt werden. Denn gleich drei Wasserfälle erwarten uns am Mühlenrundweg in Scheffau. Aber auch sonst gibt es vieles zu entdecken und zu bestaunen und nebenbei tut man auch sehr viel für die Gesundheit: Die mit feinen Wassertröpfchen angereicherte Luft reinigt die Lungen und wirkt zugleich entzündungshemmend. Also, auf in’s Lammertal!


⭐ Drei spektakuläre Wasserfälle
⭐ Die Alte Mühle – Ein Relikt aus vergangenen Zeiten
⭐ Der Herzerlweg – Kraftplätze entlang des Weges
⭐ Die Naturgewalt des Wassers spüren


Unser heutiger Ausflug startet in Oberscheffau. Gleich nach der Brücke über die Lammer, biegt eine Straße scharf nach rechts ab. Wer mit dem Auto angereist ist, parkt am besten auf dem kleinen Wanderparkplatz oberhalb der Lammer.

Weiter geht es zu Fuß. Da wo sich die Straße gleich darauf aufteilt, halten wir uns links und folgen den Wegweisern zum Mühlenrundweg. Nachdem wir den Schatten des Waldes verlassen haben, überqueren wir den Schwarzenbach. Er hat die Hauptrolle in unserem heutigen Naturschauspiel inne. Also biegen wir gleich wieder nach rechts ab und folgen ihm, vorbei an einigen Häusern in der Winklau, einem kleinen Seitental des Lammertals, das sich an dieser Stelle von seiner sanftesten Seite zeigt. Bald entlässt uns das Siedlungsgebiet der Winklau in eine schöne Allee, die allmählich in Wald übergeht, der uns erst am Rückweg hier wieder ausspucken wird.

Die Berghänge rücken immer näher und schon befinden wir uns in einem engen Tal, das nur noch dem mäandernden Schwarzenbach und der Forststraße Platz bietet.

Nach einigen Kurven heißt es aufgepasst: Unser Weg zweigt nach rechts ab und führt weiter am Bach entlang. Leider musste der idyllische Steig nach starkem Schneebruch im Winter 2018/19 teilweise einem breiten Forstweg weichen. Vorbei an schönen, liebevoll gestalteten Kraftplätzen – wir befinden uns auf dem „Herzerlweg“ – gelangen wir bald zu einer schmalen Brücke, auf der wir das felsige Bett des Schwarzenbachs überqueren. Es bietet sich uns ein ebenso idyllisches, wie auch – je nach Wasserstand – spektakuläres Bild.

Flussaufwärts können wir bereits unser erstes Highlight erblicken: Die Alte Mühle liegt direkt unterhalb einer kleinen Felskante, über die sich der Schwarzenbach in breiter Front ergießt. Links des Weges sehen wir die Überreste einer verfallenen Mühle. Einst, als im Lammertal noch Getreide angebaut wurde, säumten mehrere Mühlen den Schwarzenbach. Die Bauern der Region nutzten die Kraft des Wassers, um das Korn zu Mehl und zu Viehfutter zu mahlen. Die Alte Mühle, vor der wir alsbald stehen, stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert, wurde 1975 renoviert und somit als einzige der Mühlen am Schwarzenbach vor dem Verfall gerettet.

Die voll funktionstüchtige Mühle ist nur an bestimmten Tagen in Betrieb, dann sogar zum Teil mit Ausschank. Die Marmorkugelmühle nebenan besteht im Prinzip nur aus einem Holzbecken samt Wasser zuführenden Rinnen, in dem Marmor oder auch anderes Gestein zu Kugeln geschliffen wird. Diese Kugeln fanden in vorindustriellen Zeiten als Kanonenkugeln, Schiffsballast, Kinderspielzeug oder Dekorationsobjekte Verwendung. Die bestehende Marmorkugelmühle wurde allerdings erst 1994 errichtet und soll seit kurzem nicht mehr betriebsfähig sein.

Wer eine Marmorkugelmühle in Betrieb erleben möchte, kann dies bei der Kunstwerkstatt „HerzArt“ in der Winklau tun, an der wir direkt vorbei gewandert sind – und am Rückweg wieder vorbei kommen werden. Die Kugeln selbst, sowie kleine Souvenirs aus Holz und Marmor, können dort auch erworben werden. Der Herzerlweg wurde übrigens von der Künstlerin gestaltet und bietet nicht nur Kindern Spiel und Abwechslung abseits des Weges.

Unser Weg führt hinter der Mühle einen schmalen Steig hinauf und überquert auf einem ebenso schmalen Holzsteg den tosenden Schwarzenbach. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, unmittelbar über den reißenden Fluten zu stehen, die Kraft des Wassers zu spüren und die vor Feuchtigkeit triefende, ionisierte Luft zu atmen.

Doch ein Highlight jagt hier das nächste und schon sehr bald kommt der imposante Schwarzenbachfall in Sicht. Der Weg führt uns durch den Wald zu einem Aussichtspunkt direkt gegenüber. Obwohl wir einige Meter oberhalb der Prallzone stehen, kann man den feinen Sprühregen noch spüren – und auf der Kameralinse sehen. Eine Holzliege lädt zum Verweilen ein.

Dann wird es zunächst etwas ruhiger. Wir folgen dem Waldweg, der nun etwas steiler in einigen Serpentinen nach oben verläuft. Zur rechten können wir stellenweise noch ein paar wenige Blicke auf den Schwarzenbachfall erhaschen. Es bietet sich jedoch bei weitem nicht mehr ein so freies Sichtfeld wie vom Aussichtspunkt weiter unten. Schließlich dreht der Weg nach links, weg vom Schwarzenbach.

Bald kommt vor uns neues Getöse auf. Aus einer Schlucht steigt neuerlich eine weiße Gischtwolke empor. Wir haben den Winnerbach erreicht, der sich an dieser Stelle durch eine enge Felsspalte in die Tiefe zwängt. Allerdings nur, wenn er Wasser führt. Der Winnerbach ist ein periodisch auftretendes Fließgewässer, dessen Bachbett sich nur zur Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen füllt.

Oberhalb des Winnerbaches treffen wir auf eine Wegkreuzung. Wir wollen dem Ursprung des Schwarzenbachs einen Besuch abstatten, bevor wir uns ganz dem letzten imposanten Wasserfall widmen. Also wandern wir noch ein paar Höhenmeter bergauf und treffen bald auf eine Forststraße, der wir nach rechts folgen.

Die Gegend hier ist sehr kleinräumig und der Schwarzenbach rasch wieder erreicht. Wie ein weißes Band zieht der Bach von oben herab, unterquert die Forststraße und fließt durch eine Felsrinne auf der anderen Seite – leider etwas schlecht einsehbar – weiter talwärts, wo er bald darauf über den Schwarzenbachfall abstürzen wird.

Dort oben, wo das weiße Band zu enden scheint, ist der Ursprung des Schwarzenbachs. Er entspringt einer Karsthöhle, in der sich das Wasser aus dem Tennengebirgsstock im Inneren des Bergmassivs sammelt und als Karstquelle wieder an die Oberfläche tritt. Dieses Phänomen der Karstquellen, das sich praktisch nur im Kalk finden lässt, bildet viele spektakuläre Wasserläufe in den Alpen, wie zum Beispiel den Gollinger Wasserfall und den Dachserfall in der näheren Umgebung, oder – als eines der bekanntesten Beispiele – den Soca Ursprung in Slowenien.

Leider ist im Falle des Schwarzenbaches die Quelle selbst nicht zugänglich, sonst könnten wir Zeuge des beeindruckenden Naturschauspiels werden, wenn ein gewaltiger Strom kristallklaren Wassers einfach so aus einem Loch im Berg heraus bricht, wie aus einem überdimensionalen Wasserhahn. Wer das einmal hautnah erleben möchte, dem kann ich – nicht weit von hier – einen Besuch des Gollinger Wasserfalls empfehlen. Dort führt der Weg bis unmittelbar vor die Höhle.

In unserem Fall wandern wir nun wieder zurück bis zur Wegkreuzung beim Winnerbach und folgen der Beschilderung in Richtung Winnerfall. Bald kommt auch dieser in Hörweite. Der Steig führt hinunter zu einer schmalen Brücke über den Winnerbach und am anderen Ufer wieder hinauf zu einem Aussichtspunkt.

Aber wollt ihr etwas noch spektakuläreres erleben und mit dem Winnerfall direkt auf Tuchfühlung gehen? Ja? Gut, dann zweigen wir unmittelbar vor dem Abgang zur Brücke auf einen kleinen, teilweise verwachsenen und rutschigen Trampelpfad ab. Seid also sehr vorsichtig. Dieser Pfad führt uns direkt an den Rand des Wasserfalls. Ein unglaubliches Gefühl unmittelbar neben den schäumenden Wassermassen zu stehen, die donnernd und spritzend den Fels hinunter stürzen und dabei so viel Luft verdrängen, dass die Windböen einem die Gischt ins Gesicht jagen.
Nach diesem Erlebnis sind die Brücke über den reißenden Winnerbach und der Blick vom Aussichtspunkt gegenüber nicht viel mehr als eine kleine Zugabe.

Voraussetzung ist natürlich, dass der Winnerfall überhaupt Wasser führt. Ansonsten erwartet uns lediglich eine trockene, moosbewachsene Felswand – leider zu steil um bis zur Höhle, aus der er herausströmt, hinauf zu klettern.

…ist einfach erklärt: Das Wasser des Winnerbachs entstammt derselben Karsthöhle, wie jenes des Schwarzenbachs. Nur liegt sein Höhlenausgang etwas weiter oben. Wenn die Karsthöhle also gut gefüllt ist, sprudelt das Wasser aus beiden Öffnungen. Sinkt der Wasserpegel in der Höhle jedoch unter ein bestimmtes Niveau, sprudelt nur noch die untere Quelle des Schwarzenbachs, der Winnerbach bleibt trocken.

Bei meinen bisherigen fünf Besuchen, habe ich den Winnerfall dreimal ohne Wasser vorgefunden. Aus eigener Erfahrung kann ich daher sagen, dass die Schneeschmelze im Frühjahr alleine oft nicht ausreicht, um den Winnerbach zu füllen. Es sollte also zusätzlich eine niederschlagsreiche Wetterlage vorherrschen. Auch zu empfehlen ist der Besuch im Sommer nach Starkniederschlägen, zum Beispiel nach Gewittern.

Irgendwie soll man auch direkt zur Winnerbachhöhle gelangen können. Bis jetzt hab ich noch nicht herausgefunden wie. Falls Ihr einen Tipp für mich habt, postet es gerne unten bei den Kommentaren!

Die vielen Highlights und Eindrücke müssen wir erst einmal verdauen. Gut dass uns der Rückweg über die ruhige Forststraße hinab ins Tal führt. Mit Ausblicken bisher nicht gerade gesegnet, eröffnet sich bald ein kurzer freier Blick ins Lammertal, der bis zum Untersberg im Nordwesten reicht. Dann tauchen wir auch schon wieder ein in den Wald.

Der einzige Aussichtspunkt am Rundweg

Nach einigen Minuten ohne größere Highlights durch den schönen Wald, erreichen wir jene Stelle, an der wir am Hinweg auf den Herzerlweg zur Alten Mühle abgebogen sind. Von hier weg folgen wir der Forststraße zurück bis zur Winklau, wo uns das offene Tal wieder in Empfang nimmt.

Mondviolen lieben die kühlen, feuchten Schluchtwälder

Zurück am Parkplatz angelangt, muss es noch nicht das Ende der spektakulären Naturerlebnisse bedeuten. Wenn wir schon mal da sind: Wie wäre es, wenn wir auch gleich noch durch die Lammerklamm wandern, die nur einen Katzensprung von hier entfernt ist? Ok? Dann folgt mir einfach ➡ zur Lammerklamm


Durch die Lammerklamm – Natur erleben im Salzburger Land

Der Weg durch die Lammklamm, ist eines der vielen Highlights, die der Salzburger Tennengau zu bieten hat. Die teilweise erdrückend enge Schlucht kann auf einem gut gesicherten Steig problemlos durchwandert werden und liefert einen spektakuläre Eindruck von der Naturgewalt des Wassers.


Bei so vielen Highlights ist es schwierig sich zu entscheiden, welches das Schönste ist. Wer ein Faible für Wasserfälle und Wildbäche hat, für den ist der Mühlenrundweg fast schon Pflicht, am besten gleich in Verbindung mit der Lammerklamm. Beide sind auch als Familienausflug hervorragend geeignet.


Von der A10 (Tauernautobahn) bei der Ausfahrt Golling an der Salzach abfahren und weiter Richtung Abtenau halten. Nach einigen Kilometern Fahrt durch das Lammertal erreicht man den Ort Oberscheffau. Unmittelbar nach der Brücke über die Lammer scharf rechts abbiegen. Der erste Parkplatz befindet sich gleich auf der rechten Straßenseite. Weitere Parkplätze entweder rechts nach der Brücke über den Schwarzenbach, oder links am Beginn des Rundweges.
Adresse für Navi: Scheffau am Tennengebirge 36, 5441 Scheffau am Tennengebirge
Plus Code: H7G9+3G Scheffau am Tennengebirge
Koordinaten: 47°34’30.9″N 13°16’07.1″E

Kostenlose Wanderparkplätze direkt am Ausgangspunkt

Ab Salzburg verkehrt die S3 halbstündlich (an Sonn- und Feiertagen stündlich) bis Golling an der Salzach. Von hier geht es weiter mit dem Regionalbus 470 (verkehrt unter der Woche etwa stündlich, an Wochenenden und Feiertagen unregelmäßig) bis zur Haltestelle Oberscheffau-Ortsmitte. Von hier nur noch zu Fuß die Brücke über die Lammer queren und schon beginnt der Rundweg auf der rechten Straßenseite.

Genaue Fahrzeiten finden sich auf der Webseite des SVV.

Weglänge: ca. 5 km
reine Gehzeit: ca. 1:30 Std.
Höhenunterschied: ca. 150 m
Wegbeschaffenheit: Wanderung meist auf Forst- und Waldwegen
Schwierigkeit nach SAC Wanderskala: T1 – Wandern
Trittsicherheit: nicht erforderlich
ausgesetzte Stellen: nein, bzw. sind diese gut gesichert
Familientauglichkeit: als Ausflug für die ganze Familie sehr gut geeignet, nicht kinderwagentauglich
Barrierefreiheit: nein
Empfohlene Ausrüstung: festes Schuhwerk

Der Landgasthof Lammerklause befindet sich direkt an der Bushaltestelle in Oberscheffau.

Blick vom Parkplatz

Bitte beachte:
Alle Angaben und Beschreibungen in diesem Artikel spiegeln meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen wider und erfolgen daher ohne Gewähr auf Richtigkeit bzw. Aktualität. Gelände und Natur sind ständigen Veränderungen unterworfen. Wege könnten aus diesem Grund nicht mehr passierbar, gesperrt oder anderweitig verändert sein. Auch das Wetter kann großen Einfluss auf den Charakter eines Weges haben. Eine sorgfältige Tourenplanung ist für das Wandern in der Natur – speziell im Gebirge – deshalb unerlässlich.


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